Interview für „Die Stimme der Senioren“

Ausgabe Januar 2021

  • Du bist schon 9 Jahren im Nationalrat und Mitglied der Kommission «Soziale Sicherheit und Gesundhiet (SGK)». Unter anderem befasst Du Dich auch mit dem Thema «Sozialversicherungen. Was sagst Du dazu, dass im letzten CS-Sorgenbartmeter die Jungen das Thema Altersvorsorge als die grösste Sorge bezeichnet haben, vor der Arbeitslosigkeit?

    Rentnerinnen und Rentner sollen in der Schweiz in materieller Sicherheit leben können, heute und in Zukunft. Unser Drei-Säulen-Konzept könnte diese materielle Sicherheit für Menschen nach der Pensionierung bieten, wenn es regelmässig an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und an die Bevölkerungsentwicklungen angepasst würde. Doch leider haben wir es in den letzten Jahren verpasst, dringend nötige Reformen durchzuführen. Wir müssen jetzt gemeinsam handeln, damit heutige und zukünftige Generationen im Alter gut abgesichert sind.  
  • Sind diese Sorgen berechtigt?

Ja, die Sorgen sind berechtigt, denn unsere Sozialversicherungen müssen dringend an die heutigen Gegebenheiten angepasst werden – u.a. an die längere Lebenserwartung, an die geringere Geburtenrate und an die neuen Lebens- und Arbeitsformen.

Grundsätzlich brauchen Reformen in der Schweiz sehr viel Zeit, die wir bei der Altersvorsorge aber nicht mehr haben. Wir müssen uns im Parlament zusammenraufen, um jetzt Lösungen für eine solide und zukunftsfähige Altersvorsorge in die Wege zu leiten, die auch vom Volk mitgetragen wird.

  • Stimmt es überhaupt, dass die AHV vor dem «Kollaps/Aus» steht, oder sind dies nur leere Drohungen, um die Bevölkerung unnötig in Angst zu versetzen mit dem Ziel Kürzungen zu beschliessen?

    Es besteht ein Handlungsbedarf bei der AHV und in der zweiten Säule, doch von einem Kollaps kann noch nicht die Rede sein. Das Ziel der Reformen muss sein, allen Menschen im Alter ein Leben in materieller Sicherheit zu garantieren. Der berechtigten Angst der Bevölkerung vor Altersarmut kann nicht mit weiteren Kürzungen begegnet werden.
  • Wie können diese Aussagen und Angstmachereien widerlegt werden? Welche Schritte sind dazu notwendig?

    Für mich zentral ist, dass die erste Säule existenzsichernd ist. Die hohe Altersarmut ist für ein reiches Land beschämend. Auch muss die Altersvorsorge für Teilzeitbeschäftigte und Menschen mit Erwerbsunterbrüchen insbesondere in der zweiten Säule dringend verbessert werden. In einem ersten Schritt gilt es, die beiden aktuellen Reformen der Altersvorsorge konstruktiv zu diskutieren, damit sie möglichst rasch verabschiedet werden können. 
  • Wie könnte aus Deiner Sicht ein Modell bei AHV+BVG+ 3. Säule aussehen, das konsensfähig wäre, eine gewisse Win-Win Situation?

    Unsere Verfassung sieht vor, dass  die Renten aus AHV und Pensionskasse im Alter «die Fortsetzung der gewohnten Lebenshaltung in angemessener Weise» ermöglichen. Es gilt, diesen Verfassungsauftrag mit den oben geschilderten veränderten Rahmenbedingungen umzusetzen. Die dritte Säule soll eine mögliche, aber nicht notwendige Ergänzung der beiden anderen Säulen bleiben, denn viele Menschen verfügen nicht über die finanziellen Möglichkeiten, Geld in die dritte Säule einzubezahlen. Ich bin überzeugt, dass es uns generationen- und parteienübergreifend gelingen kann, das in der Bundesverfassung verankerte Modell der Altersvorsorge gemeinsam für die Zukunft fit zu machen.

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  • FERI Mit-Wirkung

    Staat und Wirtschaft werden oft als Konkurrenten dargestellt. Doch beide brauchen einander und wir brauchen beides: einen starken Staat und eine prosperierende Wirtschaft! Als Nationalrätin setze ich mich dafür ein, dass Staat und Wirtschaft die Verantwortung dafür teilen, dass die Bevölkerung gut und selbstbestimmt leben kann. Der Staat soll Anreize für die Wirtschaft setzen, sich sozial und ökologisch zu engagieren. Die Wirtschaft ist aufgefordert, Krippen anzubieten, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen, junge Menschen auszubilden, Teilzeitstellen zu schaffen, Stellen für sozial Schwächere anzubieten und Personen mit einem Handicap zu beschäftigen. Und zwar so, dass es für alle Beteiligten Sinn macht. Hier geht es zu meiner beruflichen Tätigkeit, der Einzelfirma FERI Mit-Wirkung.

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